Beitrag anhören
Voiced by Amazon Polly

Ein Satz, den ich immer wieder höre. Meist höre ich ihn, wenn ich erzähle, dass ich irgendwo hinreise, dass ich in Cafés arbeite oder dass ich nur auswärts esse. Was steckt drin, wenn ihn jemand sagt? Ich höre folgendes heraus:

  1. Dein Leben ist toll.
  2. Dein Leben ist nicht normal.
  3. Dein Leben ist nicht realistisch.
  4. Dein Leben ist für mich nicht möglich.

Den Punkten 1 und 2 stimme ich zu. Den Punkten 3 und 4 nicht. Diese Art zu leben ist realistisch und sie ist grundsätzlich für jeden möglich. Aber, möchte ich den anderen fragen, hättest Du mein Leben wirklich gerne? Das heißt zum Beispiel:

  • Du bist selbständig und weißt nicht, woher in zwei Monaten das Geld kommen wird. Deine Lebensumstände werden von Sozialwissenschaftlern „prekär“ genannt.
  • Du machst dauernd Kompromisse, was deine Wohnung angeht. Das Bett gefällt dir nicht? Die Nachbarn sind laut? Die Möbel sind geschmacklos? Es gibt keine Waschmaschine? Oder: Die Wohnung ist perfekt, aber du musst am Monatsende raus? Tja.
  • Du fühlst dich als Außenseiter, wenn über Schwierigkeiten des normalen Lebens geklagt wird. Die Kinder, der Job, das Wetter. Meckern verbindet, aber du bist nicht dabei.
  • Du kannst nicht shoppen gehen, wenn Du ein Gefühl von Leere empfindest.
  • Du bist fast überall fremd. Du kennst keinen, mit dem Du ein Bier trinken gehen kannst, der Dich zu Partys einlädt oder mit dir Fußball schaut.

Das soll nur eine Erinnerung sein, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Du kannst alles mögliche haben, wenn du es möchtest, aber du bekommst immer nur das ganze Paket.

Wenn Du sagst, „Dein Leben hätte ich gerne“, dann meinst Du die Sonne, die mir aus dem Arsch scheint. Den Regen meinst Du nicht. Und warum hast du mein Leben nicht? Wegen der Aspekte, die Dir nicht gefallen. Du willst genau das Leben, das Du gerade führst. Denn das lebst Du ja. Wenn Du ein anderes wolltest, würdest Du es leben. Klingt komisch, ist aber so.

Abschließend ein Zitat von Thomas Jefferson:

I’m a greater believer in luck, and I find the harder I work the more I have of it.