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Viele finden mein ortsunabhängiges Leben toll und sagen: „Das würde ich ja auch gerne machen, aber…“ Und dann kommen meist sehr detaillierte Fragen, wie man sich so ein Leben denn organisieren solle. Diese Lebensform erscheint vielen sehr kompliziert, obwohl sie es aus meiner Sicht gerade nicht ist. In diesem Beitrag zeige ich Dir 5 praktische Schritte, wie du dein Leben ortsunabhängig organisieren kannst.

Entledige Dich der Dinge

Verkaufe und verschenke alles, was du hast. Klingt radikal, ist es aber  nicht. Ich lebe seit einem Jahr mit einer so kleinen Menge an Besitz, die in einen Rucksack passt, und ich habe alles, was ich brauche. Verfahre dabei nach dieser Regel: Besitze, was du mindestens 1x pro Woche brauchst und was zusammengenommen in einen Rucksack passt. Das sind für mich Kleidung, Computer, Smartphone, eBooks, Musik, Hygieneartikel, meine Billard-Queues und ein bisschen Kleinkram. Alles andere kannst du mieten, leihen oder kaufen und nach Gebrauch weiterverkaufen oder verschenken / spenden. Ich war letzte Woche Skifahren und das einzige, was ich dafür selbst angeschafft habe, war ein Paar Skisocken. Alles andere habe ich mir von Freunden geliehen oder gemietet.

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Hier meine Ausrüstung von vor einem Jahr.

Organisiere Deine Post

Post bekommen

Als ich vor gut einem Jahr dabei war, mein ortsunabhängiges Leben zu planen, suchte ich einen Dienst, der meine Post scannt und mir per Mail schickt. In den USA gibt es Earth Class Mail, und ich war mir sicher, in Deutschland etwas ähnliches zu finden – Fehlanzeige. Und so mussten Freunde ran, meine Post zu scannen.

Ab 1. April gibt es jetzt die Scanbox von dropscan.de. Dropscan ist ein Berliner Startup, die eine sehr schöne Lösung entwickelt haben. Ich war in den letzten Wochen Betatester und muss sagen, dass es ganz ausgezeichnet funktioniert. Man bekommt bei Dropscan eine Postanschrift in Berlin mit einer eindeutigen Scanbox-ID. Diese kann man überall als Anschrift angeben. Zusätzlich habe ich einen Nachsendeauftrag bei der Post eingerichtet, von meiner letzten Anschrift an die Scanbox. Kommt ein neuer Brief an, erhalte ich eine Mail und kann mir in meinem Kundenbereich  den gescannten Umschlag des Briefes ansehen. Ich kann dann entscheiden, ob der Brief geöffnet und gescannt, ungeöffnet vernichtet oder mir an eine andere Anschrift nachgesendet werden soll. Das Scannen und öffnen geht sehr schnell, meist erhalte ich die Scans nach ca. 3 Stunden.

Im günstigsten Tarif kostet die Scanbox 15 Euro im Monat.

mein Briefkasten

mein Briefkasten

Post verschicken

Obwohl ich versuche, so viel möglich online zu erledigen, muss ich manchmal Briefe verschicken. Dafür gibt es schon länger einen deutschen Service, Pixelletter. Man lädt hier seine Briefe als PDF-Dokument hoch, der Brief wird von Pixelletter ausgedruckt und verschickt. Der Service kostet nicht viel und funktioniert wunderbar. Meine Unterschrift habe ich gescannt und baue sie in Briefen ein. Hatte noch keiner ein Problem mit, nicht einmal bei formellen Anträgen.

Mach dein Telefon mobil – auch das Festnetz

Festnetz

Das ist einfach. Melde Deinen Telefonanschluss ab und verwende stattdessen Skype und einen so genannten Voice-over-IP -Anbieter (VoIP). VoIP macht es möglich, mit seinem Computer zu telefonieren, und zwar mit einer deutschen Festnetznummer. Ich nutze den deutschen Anbieter Sipgate zusammen mit der Telefonsoftware PhonerLite. Ich muss sagen, dass diese Lösung nicht perfekt ist, da es öfter mal zu Zeitverzögerungen kommt, besonders, wenn die Internetverbindung nicht gut ist. Aber mit Skype kann man auch sehr günstig Telefone anrufen, damit hast du also einen guten Backup. Und wenn dein Gesprächspartner auch Skype hat, ist sowieso alles im Lack.

Mobilfunk

Im jeweiligen Land besorgst Du Dir eine lokale Sim-Karte. Ich habe natürlich ein Smartphone, was im Ausland wirklich sehr nützlich ist. Selbst in weniger entwickelten Ländern ist das mobile Internet mittlerweile gut ausgebaut, außerdem gibt es viel öfter öffentliches WLAN als in Deutschland. In Deutschland habe ich natürlich nur meine deutsche Mobilnummer. Im Ausland kommt meine deutsche Sim in ein altes Nokia und die jeweils lokale Sim in mein Smartphone.

Kommst du noch mit hoch, meine Sim-Karten-Sammlung ansehen?

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Internationalisiere Deine Krankenversicherung

Edit 28.8.2017: Das Thema Krankenversicherung ist zu vielfältig und unübersichtlich, als dass ich hier konkrete Empfehlungen geben möchte. Hier findest Du ein paar gute Beiträge zum Thema:

Wohne ortsunabhängig

Da Du mit einem einzigen Rucksack als Besitz innerhalb von einer halben Stunde umziehen kannst, wird wohnen viel einfacher. In den asiatischen Ländern, in denen ich war, habe ich immer einfach eine Unterkunft gefunden. Die ersten Tage war ich meist in Hostels oder günstigen Hotels, dann habe ich mir ein Zimmer gesucht. Im Ausland funktioniert online gut Craigslist, ansonsten einfach bei anderen Expats oder englisch sprechenden Locals nachfragen.

mein Zimmer in Saigon

mein Zimmer in Saigon

In Berlin ist es besonders lustig, keine eigene Wohnung zu besitzen. Ich bin seit vier Monaten wieder hier und sitze, während ich das schreibe, in der dritten Wohnung. Bisher bin ich in Wohnungen von Verwandten und Freunden untergekommen, die selbst gerade nicht in Berlin sind. Am Montag ziehe ich in ein Zimmer, das ich über wg-gesucht.de gefunden habe. Es gibt in Berlin ständig verfügbare möblierte Zimmer, weil jemand z.B. für ein Auslandssemester oder wegen eines Praktikums nicht in Berlin ist. Die Zeiträume gehen meist von 1-6 Monate. Es macht wirklich Spaß, regelmäßig in einer anderen Ecke von Berlin zu wohnen, und Du lernst interessante Leute kennen. Und ja: Ich fühle mich schnell zu Hause, auch wenn ich dauernd woanders bin. Ich brauche nur ein vernünftiges Bett, meine Musik und was zu lesen. Und Du glaubst gar nicht, wie geil es ist, auf dem Rücksitz eines Motorrollers umzuziehen.

Arbeite mobil und papierlos

Ich habe keinen Job, bei dem ich zu festen Zeiten an einem festen Ort erscheinen muss. Wenn Du das auch willst, empfehle ich immer wieder gerne Tim Ferriss‘ Buch „Die 4-Stunden-Woche“ als erste Inspiration. Aber natürlich kannst Du auch mit einem festen Job innerhalb Deiner Stadt ortsunabhängig leben.

Ich achte bei meinen Unterkünften immer darauf, dass gutes Internet vorhanden ist. Am konzentriertesten kann ich zu Hause arbeiten, ohne Störung. Wenn ich Menschen um mich herum haben möchte, setze ich mich in einen Coffeeshop mit kostenlosem WLAN.

Papierlos leben

Ich benutze kein Papier mehr, mit einer Ausnahme:

Wenn Du auf den „Play“-Button klickst, wird das Video von Youtube geladen und gestartet und es werden Informationen an Youtube gesendet. Nähere Informationen erhältst Du in meiner Datenschutzerklärung.

Wichtig ist auch bei meiner Arbeit, dass ich keinen Ballast mit mir herumtrage. Ich habe ein 1,5 kg leichtes Notebook und kein Papier. Alle wichtigen Dokumente habe ich vor meiner Abreise gescannt, neu hinzukommende Dokumente wie Visitenkarten o.ä. fotografiere ich und werfe sie dann weg. Alle wichtigen Dokumente kommen in meine Dropbox, so dass ich sie auch von anderen Computern oder meinem Smartphone abrufen kann.

Notizen mache ich mit Evernote, Listen wie Einkaufszettel oder Todo-Listen mit Wunderlist.

Nächste Schritte

Wenn Du planst, ortsunabhängig zu leben, dann helfen Dir diese nächsten Schritte:

  • Verkaufe und verschenke alles, was Du hast. Verkaufen kannst Du gut bei eBay, eBay-Kleinanzeigen und Bücher bei Amazon. Mach eine Party, bei der Deine Freunde sich gnadenlos an Deinen Sachen bedienen können, und lass sie Geld in eine Spendendose werfen. Kündige Deine Wohnung.
  • Kauf Dir ein kleines Notebook oder ein Ultrabook.
  • Melde Dich bei Skype und Sipgate (o.ä.) an und kündige Deinen Festnetzvertrag. Kauf Dir ein Smartphone (ohne SIM-Lock) und organisiere Dir ein günstiges Ersatzhandy.
  • Registriere Dich bei Dropscan und Pixelletter und richte einen Nachsendeauftrag ein.
  • Recherchiere die für Dich passende Krankenversicherung und schließe sie ab.
  • Such Dir ein Zimmer bei wg-gesucht.de
  • Entferne (fast…) alles Papier aus Deinem Leben.

Planst Du, ortsunabhängig zu leben? Welche Fragen hast Du noch dazu?