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Ich war am Sonntag in einem schicken Restaurant in Mitte essen, in der Friedrichstraße. Hipper Laden, schicke Einrichtung und gutes Essen. Der ganze Laden riecht nach dem neuen Berlin: international, jung, urban. Nur beim Bezahlen begegnete mir die altbekannte Berliner Provinzialität: Nur Bares ist Wahres. Meine Güte.

Schatz, die Gebühren!

Ich fragte natürlich nach (obwohl ich die Antwort schon kannte): Warum es denn keine Kartenzahlung gebe? Originalton: Weil das ein Riesenaufwand ist, der umständlich sei und jeden nur Geld koste. Man investiere sein Geld dann lieber in gute Ware blablabla. Ich hatte dummerweise nicht genug Bargeld dabei, da ich tatsächlich davon ausgegangen war, dass ein Laden, der so modern daherkommt (s.o.) auf jeden Fall Karten nimmt. Wo denn der nächste Geldautomat sei, fragte ich. Ein paar hundert Meter die Straße runter, aber man schicke mir auch gerne per E-Mail eine Rechnung, dann könne ich überweisen. Waaaaas?

Just my 75 Cents

Noch mal kurz zusammengefasst: Kartenzahlung ist ein Riesenaufwand, der jeden Geld kostet. Schauen wir mal genauer hin, ich habe das ja selber durch; im Bata Bar & Billiards können unsere Gäste natürlich mit EC- und Kreditkarte zahlen. Der („Riesen-„)Aufwand für uns war: ein Anruf bei einer Fachfirma, die vorbeikam und das Gerät installierte. Einrichtungskosten: 40,- Euro. Das Gerät kostet uns pauschal 17,- Euro im Monat. Jede Transaktion kostet 10 Cent + 2,1 % des Zahlbetrages bei Kreditkarten und 0,85% bei EC/Maestro-Karten. Das wären im Falle unserer gestrigen Restaurantrechnung ca. 75 Cents gewesen.

75 Cents! Weil man die „sinnvoller“ einsetzen möchte, setzt sich heute jemand ins Büro, liest meine handschriftlich erfassten Adressdaten, erstellt eine Rechnung am Computer, macht ein PDF daraus, schickt es mir per E-Mail und kontrolliert dann in ein paar Tagen auf dem Konto, ob meine Zahlung eingegangen ist. Und wenn sie Pech haben, müssen sie mir noch ein, zwei Mahnungen hinterherschicken. Und die (ansonsten wirklich kompetente) Kellnerin will mir erklären, dass das weniger Aufwand bedeute? 75 CENTS?

Ergänzung zwei Tage später: Ich habe die Rechnung per E-Mail erhalten. Mit dem Hinweis, dass mir der Originalbeleg per Post zugehe. Per Post. Mit 60 Cent Porto. Jetzt wird es schildbürgerhaft.

Das ist ganz einfach nur Bullshit.

Hey, Berliner Gastronomen, hergehört: Keine Kartenzahlung anzubieten ist Bullshit! Klick um zu Tweeten

Beim kleinen Tabakwarenladen an der Ecke, der keine Lust hat, jede BILD-Zeitung mit Karte bezahlt zu bekommen, kann ich das gerade noch akzeptieren. Aber bei einem Restaurant in der Friedrichstraße, das sich ein englisches Menu in höchster Produktionsqualität hinlegt, ist es der größte Unsinn, keine Kartenzahlung anzubieten. Mann, Eure Gäste zahlen in ihrem Heimatland jeden Scheiß mit Karte! Das kann doch nicht war sein.

Das ist doch nicht unser Problem. Kann sich doch der Kunde drum kümmern!

Dazu kommt noch, dass ich als Gast ja auch noch Zusatzaufwand habe. Entweder ich latsche mitten in meinem netten Abendessen zehn Minuten durch die Kälte zum Geldautomaten, oder ich kann mich in den nächsten Tagen nach Erhalt meiner Rechnung hinsetzen und die Überweisung tätigen. Das Restaurant macht hier einen entscheidenden Fehler: Es macht sein Problem zum Problem seines Kunden.

Ich weiß nicht, wo ich die Regel gelesen habe. Es war in einem schlauen Buch eines schlauen Unternehmers:

Mache nicht deine Probleme zu Problemen deiner Kunden. Klick um zu Tweeten

Ein erfolgreicher Unternehmer löst Probleme für seine Kunden und beschert ihnen nicht weitere. Die Kartenzahlung kostet was? Dein Problem! Löse es. Kalkuliere es von mir aus in deine Preise ein. Das ist mir lieber als der ganze Quatsch mit Rechnung per E-Mail oder Gewatschel zum Geldautomaten. Und lieber, als mir immer wieder diese dämliche Ausrede von den Gebühren anhören zu müssen. Meine Güte, es geht hier ums Bezahlen, den für Euch interessantesten Teil meines Besuches. Ich will Euch mein Geld geben, also macht es mir einfach! Das kann doch nicht so schwer sein!

Und zu dem blöden Argument, Ihr würdet das Geld lieber in gute Waren und Service investieren: Warum habt Ihr dann Sessel für 1000,- Euro das Stück dastehen und schicke Kristallgläser und Kunst an der Wand? Schmeckt dann das Essen besser? Keineswegs, aber es unterstreicht und verbessert das Gesamterlebnis in Eurem Laden. Genau so wie es eine einfache Art zu bezahlen tun würde.