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Vor zwei Monaten habe ich Dir von meinem aktuellen Projekt erzählt: Das Complaint-Free-World-Bracelet. Aufgabe: Man trägt dieses lilafarbene Silikonarmband am Arm und wechselt es immer an den jeweils anderen Arm, wenn man sich über etwas beschwert oder lästert. Ziel des Spiels ist es, 21 Tage lang das Band am gleichen Handgelenk zu tragen.

Warum drei Wochen? Studien zufolge bilden sich neue Gewohnheiten in rund drei Wochen aus. Schafft man es drei Wochen lang, sich nicht zu beschweren, wird man danach gewohnheitsmäßig weniger Beschwerden äußern und insgesamt glücklicher sein. Nach über drei Monaten habe ich es jetzt geschafft und habe mir voller Stolz gleich das offizielle „Certificate of Happiness“ von der Website heruntergeladen. Ich bin jetzt amtlich glücklich.

Was habe ich gelernt?

Beschweren gehört zum sozialen Miteinander

Es ist völlig normal, sich über Dinge zu beschweren. Beschwerden sind der Kitt, der manches Gespräch zusammen hält. Wenn man damit aufhört, kann es sein, dass man ganze Gespräche zum Erliegen bringt. Übrigens die Top-Themen in meinem Umfeld: Wetter, Job und andere Leute: Kunden, Chefs, Kollegen, Familie.

Man beschwert sich auch, wenn einen gar nichts stört

Beschweren ist oft nur eine rhetorische Form, die mit einer eigentlichen Klage gar nichts zu tun hat. Man kann zum Beispiel super-glücklich sein und trotzdem „Scheiß-Wetter“ fluchen. Auch, wenn das Wetter gar nicht stört. So ähnlich wie der „Wie geht’s?„-„Gut.“-Dialog, der ebenso wenig Information übermittelt.

Die innerlichen Beschwerden abzuschalten ist eine Lebensaufgabe

Es ist relativ leicht, Beschwerden nicht mehr auszusprechen. Darum geht es ja im „A Complaint Free World“-Projekt. Jedoch die innere Stimme mit ihren permanenten Beschwerden abzuschalten, ist mir fast unmöglich. Das ist sicher eine Lebensaufgabe, die dem gleichkommt, was buddhistische Mönche machen.

Erst weniger beschweren, dann weniger Gründe dafür

„Aber was ist, wenn wirklich viel Scheiße passiert? Ich habe ein Recht, mich zu beschweren!“ Natürlich hast Du das Recht dazu. Es hilft nur wenig, vor allem werden die Anlässe nicht weniger, sich zu beschweren. Man muss der Beschwerde gegenüber in Vorleistung gehen – d.h., erst weniger beschweren, dann gibt es auch weniger Gründe dafür. Ein ganz konkretes Beispiel: Je weniger ich mich bei meinem Billard-Training über mein Spiel, Pech oder was auch immer beschwert habe, desto konzentrierter war ich und habe besser gespielt.

Achtung, Jojo-Effekt

Seit ich am Dienstag dieser Woche die drei Wochen voll gemacht habe, sind mir schon wieder einige Lästereien und Beschwerden über die Lippen gekommen. Wie bei einer strengen Diät: Wenn Sie vorbei ist, wird wieder reingehauen. Wenn ich drei Wochen nicht geraucht habe, kann ich ja mal wieder eine. Du weißt schon, was ich meine.

Also: Natürlich muss eine neue Gewohnheit gepflegt und weiter gestärkt werden, damit ich nicht wieder in alte Gewohnheiten des Meckern reinrutsche. Denn das Leben war sehr angenehm, ohne mich zu beschweren. Braucht kein Mensch.

Worüber beschwerst Du Dich am häufigsten? Wie oft beschwerst Du Dich am Tag? Hast Du Tricks, wie man sich weniger beschweren kann? Schreib es in den Kommentarbereich!