Ich werde oft gefragt, warum ich eigentlich so ein cooles Leben habe. Was ist das Geheimrezept? Nun, hier meine Antworten.

Das glaubst Du nicht wirklich, oder? Dass ich jetzt darüber schreibe, warum mein Leben besser ist als deins?

Oder noch schlimmer: Du glaubst es wirklich, weil es dauernd passiert.

Permanent sehen wir im Fernsehen lesen wir auf Facebook Stories, in denen es um Leute geht, denen es besser geht als uns. Oder, eigentlich genau so schön, Stories über Leute, denen es schlechter geht.

Es geht jedenfalls permanent darum zu bewerten  und zu vergleichen. „Mein Kind ist geiler als dein Kind„, wie der großartige Fil singt. Mein Leben ist geiler als deins. „5 Gründe, warum du falsch liegst, wenn …“, „Wie ein armer Tropf in sechs Wochen …“ und so weiter.

Gefühlte 90% der Beiträge auf Facebook legen eine Bewertung zugrunde: gut/schlecht, reich/arm, links/rechts, schön/hässlich, rassistisch, sexistisch, süß, lustig, kapitalistisch, Mobbing, bääääh!

Und es steht immer schon in der Überschrift, wie wir gefälligst zu bewerten haben: „Erst dachte ich, das ist ein total langweiliger Bürohengst, aber was er dann machte, hat mich echt umgehauen!“

Facebook ist eine riesige Bewertungsmaschine, und wir sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Vor allem sind wir mit nichts anderem mehr beschäftigt. Und wir müssen permanent die Bewertung anderer fürchten. Die es vielleicht nicht mal gibt.

Aber wie wir uns selbst bewerten reicht ja schon.

Und natürlich, eigentlich entsteht alles in unserem Kopf. Das Gefühl, so unglaublich mittelmäßig zu sein, wo uns unsere Eltern doch versprochen hatten, das hübscheste Tässchen im Schrank zu sein.

Und während wir noch damit beschäftigt sind, wie wir noch geiler werden, müssen wir uns ja gleichzeitig noch mit sämtlichen Ungerechtigkeiten der Welt befassen. Unsere Hühner sind ja mittlerweile glücklich, aber was ist eigentlich mit dem langnasigen Zwerghamster, der in den Sojafeldern Brasiliens für unser Tofu sterben muss? Töte ich als Vegetarier mehr Tiere als ein Fleischfresser?

Zu allem eine Meinung – aber nichts zu sagen

Wir haben zu allem eine Meinung. Oder wenn schon keine Meinung, dann wenigstens ein Gefühl. Und das reicht doch allemal für ein Like. Oder einen kritischen Kommentar („dislike!“). Oder ein dämliches #hashtag #fail #yolo. Mit dem wir unseren unausgegorenen Meinungs-Quark garnieren.

Wir haben zu allem eine Meinung, aber nichts mehr zu sagen. Klick um zu Tweeten

Das Tragische: Je mehr wir bewerten, uns und andere, desto weniger schauen wir richtig hin. Weil unsere Quellen ja schon eindeutig suggerieren, in welche Richtung wir bewerten sollen.

Und mehr noch: Wir unternehmen nichts mehr, weil wir mit Bewerten beschäftigt sind. Und weil wir selbst Angst vor negativen Bewertungen haben. Oder wir hecheln der Anerkennung anderer hinterher.

Bewerten oder sein?

Ein erwartetes Ergebnis vorher zu bewerten, lenkt uns vom Tun ab. Ich kenne es vom Wettkämpfen: Je mehr Du gedanklich mit Sieg oder Niederlage beschäftigt bist, desto weniger bist Du auf das eigentliche Tun konzentriert. Und das mindert deine Leistung und macht die Niederlage wahrscheinlicher. Wir sollten uns Ziele setzen, dann ganz konsequent daran arbeiten und, wenn wir fertig sind, bewerten, ob wir unser Ziel erreicht haben. Und dann vielleicht den Weg korrigieren.

Schütte dir weniger von dem bewertenden Zeug in den Kopf. Mache mehr und konsumiere weniger. Genieße das, was Du hast. Sei aktiv, wenn Du mehr willst.

Und schalte verdammt noch mal Facebook ab. Oder lösche die Leute, die nur Katzen, Videos von Verkehrsunfällen, Pseudo-Nachrichten und Buzzfeed-Scheiße posten. Oder Leute, deren Blogbeiträge beginnen mit: „14 Gründe, warum mein Leben besser ist…“ – warte kurz.  Die kannst Du behalten. Ich mache das auch nie wieder. Versprochen.