Was ich vom Abspülen übers Leben gelernt habe (außer, dass Abspülen scheiße ist)

Ich hasse Abspülen. Klar, das habe ich nicht exklusiv. Sich stapelndes Geschirr ist in jeder WG ein bekanntes Bild. Ich habe einen Großteil meines Lebens mit Geschirrspüler verbracht. Die Zeit danach war die Hölle. Dann eröffnete ich eine Bar – ohne Geschirrspüler. Und ich hasse Geschirrspülen noch immer. Aber ich tue es. Was das fürs Leben bedeutet, erkläre ich jetzt.

Meine These lautet wie folgt: Wenn man etwas nicht gerne tut, hilft es, einen Job zu haben, in dem man es tun muss.

Wenn man etwas nicht gerne tut, hilft es, einen Job zu haben, in dem man es tun muss.

Mein Beispiel Geschirrspülen: Zu Hause interessiert es niemanden, ob mein komplettes Geschirr dreckig in der Spüle steht und ich nur noch auswärts esse. In meiner Bar hingegen gibt es keinen Weg ums Spülen und Saubermachen herum. Wir brauchen das Geschirr, und der Laden muss ordentlich aussehen. Über meine Arbeit im Bata habe ich gelernt, schnell und regelmäßig abzuspülen. Das macht mir immer noch keinen Spaß, aber ich muss es machen.

Das hat auf mein Verhalten zu Hause abgefärbt: Ich spüle meist sofort alles ab bzw. habe die Regel, dass ich tagsüber nicht das Haus verlasse, ohne abgespült zu haben, und abends nicht ins Bett gehe, bevor nicht alles sauber ist. Das Schöne ist: Mein Abwasch zu Hause ist viel kleiner als im Bata, so dass das Abspülen jeweils nur max. 5 Minuten dauert. Mit dem Gewinn, dass immer alles schön sauber ist und ich keine Geschirrberge erklimmen muss.

Und was bedeutet das fürs Leben?

Jetzt ist die Frage: Was bedeutet das für andere Lebensbereiche? Man kann sich ja nicht für jede ungeliebte, aber nützliche Tätigkeit einen Job suchen, damit man in die Routine kommt, es zu tun. Es bezahlt einen einfach keiner fürs Zahnseide benutzen.

Ich denke, es könnte eine Lösung sein, das private Leben ein bisschen wie einen Job zu sehen. Die Trennung zwischen privat und beruflich ist – gerade bei Angestellten – enorm hoch. Aber auch bei Selbständigen leiden private Angelegenheiten oft, weil privat heißt: Entspannung! Kein Leistungsdruck! Im Job macht man oft Dinge, weil sie gemacht werden müssen. Privat will man dann nichts mehr müssen müssen und lässt die Dinge schleifen.

Privat will man dann nichts mehr müssen müssen und lässt die Dinge schleifen.

Zug zum Tor auch im Privaten

Mein Lieblingsblogger Tynan ist da anders: Er hat sein ganzes Leben mit Gewohnheiten strukturiert (und darüber ein Buch geschrieben), und zwar nicht nur beruflich, sondern auch privat. Er nimmt sein privates Leben ernst und gewinnt viel Freiheit und Glück dadurch.

Ob Angestellter oder selbständig: Unser privates Leben nimmt mindestens 50% unserer Lebenszeit ein (auch, wenn es sich nicht so anfühlt). Es ist eine gute Idee, auch hier in manchen Bereichen den gleichen Zug zum Tor zu entwickeln wie im Job. Manche Dinge müssen halt sein, und es fühlt sich besser an, sie auch zu erledigen. Das hat dann nichts mit langweilig, spießig oder „nicht loslassen können“ zu tun, sondern macht das Leben einfach besser.

PS: Witzigerweise hat Leo Babauta von Zen Habits vor einigen Tagen auch übers Abspülen als Start für ein diszipliniertes Leben geschrieben. Das war aber, nachdem ich den Entwurf für diesen Beitrag verfasst habe – ich schwöre!

Foto: plastAnka via Compfight cc

Patrick

Ich bin seit 2012 digitaler Nomade. Ich habe damals mein ganzes Zeug verkauft oder verschenkt und bin 9 Monate durch Asien gereist. 2013 war dann Europa dran. In 2014 habe ich mich hauptsächlich um den Aufbau meines neuen Business gekümmert, dem Bata Bar & Billiards in Berlin. Daneben betreibe ich noch einen Onlineshop für Billardzubehör. Auf heldenleben.com blogge ich über ortsunabhängiges Leben und Arbeiten, berufliche Selbständigkeit und persönliche Weiterentwicklung. Mehr über mich unter "Neu hier?" und auf about.me/pbaumann

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