Nach meinem Studium schien mir selbstständig werden undenkbar. Ich habe Wirtschaftskommunikation studiert und sollte mich daher mit Geschäften auskennen. Und trotzdem wäre ich nie auf die Idee gekommen, mich selbstständig zu machen. Wie geht es da erst Menschen, die sich in ihrer Ausbildung noch nie mit Unternehmen und Wirtschaft beschäftigt haben?

Was es braucht, um selbstständig erfolgreich zu sein, habe ich hauptsächlich aus Blogs und Büchern gelernt. Hier fünf meiner Buchfavoriten der letzten Zeit. Jedes dieser Bücher würde ich am liebsten immer wieder lesen, da sie ihre richtige Wirkung erst entfalten, wenn du sie in die praktische Arbeit umsetzt.

The Millionaire Fastlane: Crack the Code to Wealth and Live Rich for a Lifetime! (EN)

M. J. DeMarco

M. J. DeMarco hat innerhalb weniger Jahre ein erfolgreiches Onlinebusiness gebaut, es verkauft, es wieder zurückgekauft, es noch erfolgreicher gemacht und dann für viel Geld wieder verkauft. Mit diesem Buch versucht er, sein Erfolgsrezept in allgemeingültige Form zu gießen.

Solche Bücher können völliger Schrott sein, wenn ein Autor seinen Geschäftserfolg dazu missbraucht, ein inhaltsleeres Buch zu verkaufen. Und auch jeder redliche Autor solcher Bücher kann in die Falle tappen, seinen Geschäftserfolg in merkwürdige Formeln zu gießen, die keiner versteht, geschweige denn anwenden kann. „The Millionaire Fastlane“ ist schon recht provokant geschrieben, aber ich kaufe dem Autor ab, dass sein Rezept funktionieren kann. Inspiriert hat es mich auf jeden Fall.

DeMarco erklärt in seinem Buch, wie man schnell reich werden kann. Ganz entscheidend im Vergleich zu anderen „Schnell reich werden“-Konzepten: Er verspricht  nicht, dass es einfach wird. Sondern nur, dass es in wenigen Jahren möglich ist, mit einem Business finanziell erfolgreich zu sein. Wenn man viel und das richtige dafür tut.

Das Buch liefert viele gute Einblicke und Konzepte für ein erfolgreiches Unternehmen. Zum Beispiel: „Affect millions and make millions“. Dabei geht es darum, dass man nur Millionen machen kann, wenn man Millionen Menschen erreicht und ihnen Wert bietet. Oder, dass Erfolg und Wohlstand nichts mit dafür aufgewendeter Zeit zu tun haben muss. Doch vor allem ist das Buch so gut, weil es radikal und voll Power dazu motiviert, etwas großes zu bauen. Und wenn man das nicht vor hat, sollte man es sich mit der Selbständigkeit noch einmal überlegen.

Delivering Happiness – A Path to Profits, Passion, and Purpose (EN)

Tony Hseih

Tony Hseih hat Zappos aufgebaut, den größten Online-Schuhversand der USA. Das Buch beginnt mit der Schilderung, wie er seiner Belegschaft eröffnet, dass Zappos gerade für rund 1 Milliarde Dollar von Amazon gekauft wurde. Es geht hier also nicht ums kleine Brötchen backen.

Das Buch besteht für mich aus zwei Teilen: Der erste Teil ist eine Autobiographie von Tony Hseih, seine ersten unternehmerischen Gehversuche als Kind und Jugendlicher, sein erstes erfolgreiches Unternehmen als Student und der Einstieg bei Zappos. Das ist unterhaltsam und beeindruckend, hatte er schon immer einen großen Antrieb, etwas eigenes zu bauen. Und trotzdem beschreibt er sich nicht als Superman, sondern schildert auch, dass er eigentlich eher faul ist und gerne Geld verdient, ohne viel zu arbeiten.

Der zweite Teil scheint mir dann nicht mehr von Hseih selbst geschrieben worden zu sein, sondern von Zappos-Mitarbeitern. Zappos ist für seine radikale Kundenfreundlichkeit bekannt. Legendär die Geschichte, wie jemand bei Zappos Hotline anruft, um Pizza zu bestellen – und sein Wunsch erfüllt wird. Zappos hat sich dem Wohle des Kunden verschrieben. Nicht nur aus reiner Nächstenliebe, sondern weil es Erfolg bringt und allen mehr Spaß macht. Auch Mitarbeiter werden besonders behandelt. Wer kündigt, erhält eine Prämie, da Zappos davon ausgeht, dass ein Mitarbeiter, der nicht bleiben will, dafür belohnt werden sollte, wenn er gehen will.

Für meinen Onlineshop hat es mir schon so oft geholfen, mich zu fragen: Was würde Zappos jetzt tun? Wir behandeln unsere Kunden ultra-kulant, und ich glaube, das ist ein Grund, warum billardpro.de erfolgreich ist. Aber auch wenn Ihr kein Onlinebusiness aufbauen wollt, ist dieses Buch eine große Inspiration.

The Personal MBA: Master the Art of Business (EN)

Josh Kaufman

Josh Kaufman hält nichts von MBA-Programmen. Das macht er auf den ersten Seiten seines Buches sehr deutlich. MBA-Programme seien überteuert und würden den Absolventen im besten Fall zu etwas besser bezahlten Jobs verhelfen, mit denen sie dann die Kredite abzahlen können, die sie für den MBA aufgenommen haben. Stattdessen machte er sich auf die Suche nach Büchern, die alle Informationen enthalten, die man braucht, um geschäftlich erfolgreich zu sein. Er erstellte eine Liste mit 99 Büchern und veröffentlichte sie auf einer Website, www.personalmba.com. Die Website verbreitete sich viral, und schließlich entschied Kaufman sich, ein Buch mit den wichtigsten Konzepten dieser Bücher zu verfassen.

Das Buch hat fast 500 Seiten, gespickt mit nützlichen Infos. Die Kapitel sind sehr kurz, meist nur 1-2 Seiten, und fassen einen Gedanken kompakt zusammen. Die Themenbereich lauten unter anderem: Value Creation, Marketing, Sales, Value Delivery, Finance, The Human Mind, Working with Yourself oder Working with Others. Ich habe das Buch bis heute nicht durch, weil die Infos so reichhaltig sind. Mehrere Dinge habe ich direkt in meinem Onlineshop eingebaut, zum Beispiel das Prinzip „risk reversal„.

Fantastisch sind auch die 49 Fragen am Ende des Buches, mit denen Du Dich selbst analysieren und Deine Ergebnisse verbessern kannst.

„The Personal MBA“ ist also weniger ein Buch zum einmal durchlesen, sondern ein Arbeitsbuch, dass sich direkt auf Euer Geschäft anwenden lässt. Unbedingt empfehlenswert! Übrigens gibt es alle Konzepte des Buches in verkürzter Form auch online: book.personalmba.com. Und hier die aktuelle Liste mit Büchern, die Josh Kaufman zu lesen empfiehlt: personalmba.com/best-business-books

Start-up!: Wie Sie mit weniger als 100 Euro ein Unternehmen auf die Beine stellen und Ihr eigener Chef werden (DE/EN)

Chris Guillebeau

Dieses Buch hielt für mich nicht ganz viel neues bereit, da ich schon seit mehreren Jahren selbstständig bin. Es richtet sich also eher an Menschen, die überlegen, sich selbstständig zu machen, die gerne ein eigenes Geschäft hätten, aber nicht wissen, wie sie anfangen sollen. Der Titel kommt daher, da Guillebeau den Ansatz vertritt, dass man auch ohne großes Startkapital ein Geschäft starten kann (was er übrigens mit Günther Faltin gemeinsam hat, Autor des ebenfalls fabelhaften „Kopf schlägt Kapital“ (s.u.)).

Guillebeau beschreibt den Weg von der Idee über den Start eines Geschäfts bis zum Ausbau zu einem Business, von dem man leben kann. Guillebeau hat hunderte Interviews mit Menschen geführt, die ihr eigenes Geschäft aufgebaut haben. Das Buch ist durchzogen von Fallbeispielen und Geschichten dieser Menschen, die sehr plastisch zeigen, dass es möglich ist, ein eigenes Geschäft zu starten – auch wenn man heute noch nicht weiß, wie es geht. Gerade bei uns ist Selbstständigkeit eher unpopulär, und dieses Buch ist ein Gegenmittel gegen die allgemeine Skepsis gegenüber selbstständiger Arbeit. Also, besonders wenn Du gerne ein eigenes Geschäft hättest, aber nicht weißt wie, oder wenn Du gerade angefangen hast, ist dieses Buch richtig für Dich.

Kopf schlägt Kapital: Die ganz andere Art, ein Unternehmen zu gründen. Von der Lust, ein Entrepreneur zu sein (DE)

Günther Faltin

Günther Faltin ist in Berlin kein Unbekannter; wenn man ihn nicht kennt, kennt man zumindest die von ihm gegründete Tee-Kampagne. Faltin ist Professor für Entrepreneurship an der Freien Universität Berlin. In seinem Buch beschreibt er das der Tee-Kampagne zugrunde liegende Konzept, ein Geschäft aufzubauen. Kampagnen-artige Unternehmen verkaufen ein einziges oder sehr wenige Produkte in großen Mengen und erreichen damit einen Wettbewerbsvorteil. Die Tee-Kampagne zum Beispiel bietet sehr guten Tee in großen Packungen zu sehr guten Preisen an. Das Kampagnenprinzip ist sehr interessant und bietet auch Gründern mit wenig Kapital die Möglichkeit, ein erfolgreiches Unternehmen zu gründen.

Neben der detaillierten Darstellung des Kampagnenprinzips ist das Buch ein leidenschaftliches Plädoyer für das Unternehmertum. Und zwar mit dem Unternehmer als Visionär und Anführer und nicht als bürokratischer Betriebswirt, der seinen Laden nur verwaltet. So sagt er, dass der Unternehmer möglichst viel auslagern sollte, um sich voll auf die Weiterentwicklung seines Geschäftsmodells konzentrieren zu können. Faltins macht Lust darauf, ein Unternehmer zu sein, und gibt sehr gutes Handwerkszeug mit, einer zu werden.

Titelfoto von: kevin dooley via Compfightcc

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